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Meine Vorbereitung auf den nächsten Marathon

Zeit für eine neue Laufkultur

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Neulich schrieb mir jemand: „Offensichtlich bist Du ein Fitness- und Technik-Geek.“ Also, wenn das der Eindruck ist, den meine Seite von mir vermittelt … oha, dann muss da wohl was wahres dran sein. Aber für mich ist das doch ein Ansporn, mal ein weiteres Kapitel aufzuschlagen. Jetzt ist es höchste Zeit für eine neue Laufkultur.

Es gibt Filme übers Laufen oder mit Läufern in tragenden Rollen, es gibt eine schier unzählbare Masse an Songs übers Laufen und sogar Belletristik. Es gibt bestimmt auch Lauflyrik, ganz zu schweigen von bildender Kunst.  Einem ausgewählten Teil dieses breiten Spektrums will ich hier in loser Folge Beiträge widmen. Den Auftrag macht ein Buch.

Boston run — der Marathon Thriller“ Der Name ist Programm: Ein Krimi über einen Marathon. 42 Kilometer voller Spannung? Kann das gut gehen? Trägt das wirklich? Da sind Zweifel angebracht. Aber, um sie gleich wieder zu zerstreuen, Autor Frank Lauenroth schafft das.

IMG_1302Im Mittelpunkt des Romans steht Brian Harding. Ein guter, aber nicht übermäßig talentierter Läufer. Boston ist sein zweiter Marathon. Und Brian ist sich ziemlich sicher, dass er gewinnen wird, da er ein sensationelles, neues Dopingmittel genommen hat. Seine Leistungsfähigkeit explodiert in ansonsten unerreichbare Höhen, gleichzeitig baut sich das Mittel aber während des Laufs kontinuierlich ab. Nach dem Überqueren der Ziellinie ist es nicht mehr im Blut nachweisbar. Im Hintergrund geht es um weit mehr als nur die 150.000 Euro Siegprämie, denn der amerikanische Geheimdienst ist hinter der Formel für das Wundermittel her. Es geht um einige Millionen Dollar. NSA-Einsatzleiterin Rachel Parker weiß, dass sie Brian schnappen muss, bevor er die Ziellinie überquert hat, sonst ist die Substanz verbraucht. Die Jagd auf Brian Harding und den Erfinder des Dopingmittels, Christopher Johnson, der im Streit aus der NSA ausgeschieden war, läuft.

Frank Lauenroth erzählt die Geschichte mit rasanten Perspektiv-Wechseln: Das sind die Live-Kommentare der Fernsehmoderatoren, die nur das Offensichtliche mitbekommen, die Innensicht des Läufers, während er scheinbar mühelos die 42 Kilometer absolviert und dabei noch die Angriffe der NSA abwehrt und dann noch im Hintergrund die Aktivitäten der Geheimdienst-Häscher. Das ist spannend, auch wenn mache Wendung etwas vorhersehbar ist. So viel sei hier verraten: Am Ende kommt dann noch ein weiterer Dreh, mit dem keiner rechnet. „Boston Run“ ist keine schwere intellektuelle Kost, das liest sich ganz süffig und flot, fast in Echtzeit.. Das macht Spaß.

„Boston Run“ — der Krimi ist 2008 erstmals erschienen. Aber er hat leider zwischenzeitlich ungeahnte Aktualität erhalten. Beim Boston Marathon im vergangenen Jahr explodierten zwei Sprengsätze. Drei Zuschauer wurden getötet, 264 Passaten oder Läufer bei dem Terroranschlag verletzt. Darf unter solchen Vorzeichen wenige Tage später der Hamburger Marathon gestartet werden? Kann man da unbeschwert am Straßenrand stehen oder auf die Strecke gehen? Als einzelner kann man sich dazu leicht eine Meinung bilden. Wenn man zu der Erkenntnis kommen sollte, nein, das Risiko ist nicht tragbar, dann bleibt man eben zu Hause. „Die Freiheit stirbt mit Sicherheit“, hat mir mal ein Bundeswehrsoldat gesagt. Dabei ist doch grade Freiheit das höchste Gut unserer Gesellschaft und Sicherheit kann einem ohnehin keiner garantieren. Trotzdem möchte wohl niemand in der Haut dessen stecken, der das dann im Ernstfall zu entscheiden hat. In Hamburg beim Marathon ist das Frank Thaleiser, ein alter Kumpel von mir aus gemeinsamen Leverkusener Schultagen. Auf allen Kanälen und in jeder Zeitung kamen Interviews mit ihm. Im Gespräch mit Sara Peschke von Spiegel online sagte er damals einen sehr wichtigen Satz: „Wir lassen uns unseren Sport und die damit verbundenen Werte von so etwas nicht kaputtmachen.“ Ja, denn wir sind frei und wollen es auch bleiben! Im weitesten Sinne handelt davon auch der Roman.

Boston Run — der Marathon Thriller“ von Frank Lauenroth erscheint im Sportwelt Verlag und hat 224 Seiten. Es kostet 8,95 Euro, ISBN-13: 978-3941297050

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