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Meine Vorbereitung auf den nächsten Marathon

Polar V800 — sieht gut aus und kann alles

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„Kann die auch E-Mail und sowas?“, fragt mich der Chef gestern und deutet auf meine „Armbanduhr“. Er hat mit scharfem Blick das neue Schmuckstück an meinem Handgelenk erspäht. Ich teste den Trainingscomputer Polar V800. Den eine „Armbanduhr“ zu nennen, grenzt fast schon an Beleidigung, denn das aktuelle Flaggschiff der finnischen Pulsmess-Spezialisten kann fast alles, nur eben kein Internet oder E-Mail.

Der Polar V800 Trainingscomputer in der Seitenansicht.

Sieht sie nicht gut aus? Der Polar V800 Trainingscomputer in der Seitenansicht. Foto: Polar

Also, seien wir doch mal ehrlich: Ich bin Hobby-Läufer. Okay, vom Gefühl würde ich sagen, ich gehe das Thema im Rahmen meiner Möglichkeiten engagiert an. Aber brauche ich dafür eine Uhr mit dem Funktionsumfang eines Polar V800? Wohl kaum. Ein weitaus einfacheres und damit billigeres Gerät (der V800 wird mit Brustgurt von Polar für knapp 450 Euro angeboten) würde es mit ziemlicher Sicherheit in meinem Fall auch tun. Aber ich bin nun mal ein bekennender Technik-Futzi. Diese Diagramme mit ihren bunten Kurven oder Balken, diese Flut an Zahlen und was sich da so herauslesen lässt, das finde ich klasse, das motiviert mich ungemein. Und damit erfüllt die Uhr schon mal eine ziemlich wichtige Funktion. Obendrein sieht sie halt auch gut aus. Ziemlich gut. Das Metallgehäuse, die Glasoberfläche, das mattschwarze (es gibt auch eine blaue Version) Kunststoffarmband, die angerauten Knöpfe, ein kleiner roter Farbtupfer an der Seite — das wirkt sportlich elegant, edel, wertig, massiv, aber nicht zu wuchtig. Hach, ich gerate ins Schwärmen.

Der kleine Trainingscomputer beherrscht alles, was man von einer Laufuhr erwartet. Puls (per Brustgurt H7), Herzfrequenzzone, Geschwindigkeit, Distanz, Rundenzeiten, aktuell oder im Durchschnitt, nach dem Training wird einem die Belastung angezeigt, die Uhr macht eine Empfehlung zur Erholungszeit und will mich mit Aussagen zur Trainingsqualität motivieren. Mit dem Running Index kann ich meine Entwicklung verfolgen, ja, und obendrein werden diverse Fitnesstests angeboten. Um auch die Schrittfrequenz beobachten zu können, bedarf es eines zusätzlichen Footpods. GPS ist natürlich an Bord, die Satelliten sind schnell erfasst und wer eine im V800 gespeicherte Route nachläuft, kann sich sogar mit rudimentären Navigationsanzeigen führen lassen. Nach dem Rennen lotst einen das Gerät auf Wunsch zum Start zurück.

Der Polar V800 ist eine Multi-Sport-Uhr. Man kann ihn nicht nur zum Laufen, sondern auch zum Schwimmen und Radfahren verwenden. Wechsel während eines Trainings sind problemlos möglich. Es gibt sogar einen Triathlon-Modus, in dem alle drei Sportarten kombiniert werden. Fürs Radfahren gibt es eine Lenkerhalterung und Extrasensoren, um beispielsweise Trittfrequenz oder Wattzahl ermitteln zu können. Da gibt es nichts zu meckern. Ich habe es nicht ausprobiert, aber die Herzfrequenz soll auch im Wasser gemessen und übertragen werden. Wenn der Brustgurt durch die Wasserströmung nicht verrutscht. Echten Triathleten reicht der Funktionsumfang beim Schwimmen noch nicht. Angeblich sollen noch Funktionen per Software-Update nachgereicht werden. Für mich nicht so notwendig.

Polar V800 — in blau und schwarz erhältlich.

Polar V800 — in blau und schwarz erhältlich. Foto: Polar

Das reicht noch nicht? Der V800 kann tatsächlich noch mehr. In ihn ist nämlich auch ein Activity-Tracker integriert. Der erfasst und analysiert sämtliche Bewegungen — wenn das kein triftiger Grund ist, die Uhr nicht mehr abzulegen. Die aufgezeichneten Daten berücksichtigt das Gerät bei der Berechnung des Erholungsstatusses, es ermittelt den Kalorienverbrauch und zeigt mir an, wie lange ich gesessen und gestanden habe, wie viel ich gegangen und gelaufen bin. Sogar die Schlafqualität wird angezeigt. Vorausgesetzt man hat ihn auch nachts am Handgelenk. Wie jeder Tracker hat auch der V800 natürlich seine Schwächen: Die Radfahrt zur Arbeit wird beispielsweise leider nicht als Aktivität erkannt. Manchmal behauptet er, ich hätte geschlafen, dabei habe ich nur vor dem Fernseher gesessen. So ganz hundertprozentig scheint das noch nicht zu sein. Naja, komme ich mit klar.

Sitzen ist ja das neue Rauchen, ja ja! Deshalb kassiert, wer eine Stunde lang ununterbrochen sitzt, einen „Inaktivitätsalarm“. Dieser Hinweis soll dazu animieren, sich mal wieder zu bewegen, weil das die Durchblutung anregt und für die Konzentration förderlich ist. Dumm nur, dass ich davon bislang nichts mitbekomme, kein akustisches Signal, kein Vibrationsalarm. Ich sehe es erst später nach der Synchronisierung mit der App oder dem Webservice als kleine gelbe Dreiecke. Entweder ist das von Polar unglücklich gelöst oder die Aktivierung eines Alarms ist so wenig dokumentiert und gleichzeitig so gut versteckt, dass ich es noch nicht gefunden habe. Ich ertappe mich tatsächlich dabei, neuerdings zwischendurch mal aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen, um nur ja keinen Alarm zu kassieren.

Und, gibt es so gar keine Haken? Ich empfinde das Armband als etwas fummelig. Sein Ende durch die Öse zu führen ist etwas hakelig. Die Uhr wird über ein Kabel mit dem USB-Anschluss des Rechners verbunden — kein Stecker, sondern sie wird angeklipst. Ich brauche immer mehrere Anläufe, bis die Zange richtig am Uhrengehäuse sitzt und die Kontakte ineinander greifen (kommt nur selten vor, denn der Akku hält eine ganze Weile). Aber vielleicht ist das nur eine Frage der Übung.

Um die vom V800 aufgezeichneten Daten grafisch darstellen zu lassen, muss man ein kostenloses Polar-Flow-Konto haben und sie dorthin übertragen. Das geschieht entweder über das Kabel und den Rechner oder indem man die Uhr per Bluetooth mit der iPhone-App synchronisiert. Dann wird alles automatisch ins Web übertragen. Das geht alles ziemlich einfach. Dazu gibt es leider keine Alternative, die Daten müssen zu Polar Flow, ob man es mag oder nicht. Ich mag es nicht so, was natürlich eine reine Geschmacksfrage ist. Mir fehlt beispielsweise die Möglichkeit, gewisse Trainings- oder Körperparameter zu speichern. Ein Export auf andere Plattformen ist nicht möglich, auf Facebook die Trainings zu posten ist ebenfalls nicht vorgesehen. Aber vielleicht legt Polar da noch nach — Flow ist bislang noch im Beta-Status.

Screenshot von polar flow

Screenshot von polar flow

 

3 Kommentare

  1. Ich bin begeistert von meiner V 800. Ein großartiger Läufer bin ich nicht,. Hautsächlich mache ich mehr Krafttraining. Der V 800 dient mir zur Motivation und einfachen Dokumentation meiner Erfolge. Sei es beim Nordic Walking, Jogging oder auch beim Krafttraining. Die Polar Technikfunktioniert auch beim Schwimmen. Bis jetzt war ich mit der V 800 zwar noch nicht Schwimmen gewesen, aber mit der FT 80 hat die Aufzeichnung im Wasser auch immer geklappt.

    • Hallo Mario,
      ich habe auch Intresse an der V800.Habe momentan auch die FT80 und mache damit überwiegend Krafttraining.Diese Funktion ist ja bei der FT80 überragend.
      Wie funktioniert das bei der V800?

      Danke.
      Ingo

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