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Meine Vorbereitung auf den nächsten Marathon

Color Run — mehr Farbe im Läuferleben

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Laufen darf ja gerne etwas, nein sogar deutlich, bunter werden, aber über den sportlichen Wert einer Veranstaltung, bei der der Bierstand noch vor der Ziellinie aufgebaut ist, muss man wohl nicht weiter diskutieren. Und trotzdem kann das Spaß machen.

IMG_1567Jaaa, ich war am Wochenende beim Color Run in Hamburg. Meine Kinder wollten da unbedingt hin. Und wenn die sich schon mal freiwillig sportlich betätigen wollen, sag’ ich doch nicht nein. Also sind wir zum Volksparkstadion gezottelt.

Gut vorbereitet natürlich: Handy und Laufuhr werden noch zu Hause in Klarsichtfolie eingewickelt. Alte Klamotten raussuchen, Wechselwäsche für den Rückweg und vor allem Handtücher und Malerfolie mit denen das Auto nachher ausgelegt werden kann.

Frühanmelder, sogenannte Early Birds, zahlen 32 Euro für einen Startplatz plus Gebühren. Regulär sind es 35 Euro. Für den Kleinen musste ich nur 16 Euro überweisen. Dafür bekommt man ein T-Shirt, ein Stirnband, eine Startnummer, Sicherheitsnadeln, einen Beutel mit Farbpulver, Werbezettel und ein Armbändchen. Wofür auch immer man das braucht, kontrolliert wird es jedenfalls nirgends. Vermutlich geht es nur darum nachher zu signalisieren: Ich war dabei!

Fetzige, laute Musik, krampfhaft fröhliche Moderatoren, eine kreischige Vorturnerin, die die Meute zum Aufwärmen bewegen will, man kann sich aber auch die Fingernägel lackieren lassen oder Sportschuhe auf einem Miniparcours testen, sich mit Farbe bekleckern — es geht ausschließlich um gute Laune, Party-Sport halt. Oder ist es eine Sport-Party? Oder doch einfach nur Party?

Die Kollegen vom NDR Hamburg Journal attestiertem dem Colorrun eine hohe Zahnspangendichte. Nett ist das nicht, aber die Beschreibung trifft es. Viel junges, hippes Volk, denen geht es nicht um Bestzeiten (wie auch, es findet ja keine Zeitnahme statt), die wollen einfach nur Spaß. Und ganz ehrlich: Es macht Spaß! Keine Ahnung, warum, aber bei der Startaufstellung beispielsweise, wenn eine Welle von vorne nach hinten schwappt und jeder eine handvoll Farbpulver in die Höhe wirft. Geiler Anblick und einfach nur witzig.

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 Punkt 12 Uhr gibt es tatsächlich einen Startschuss. Lockerer Trab, die ersten sind schon nach wenigen Schritten außer Puste. Niemand läuft ernsthaft. Im Gegenteil. Obwohl die Läufer in den vier Colorzones ordentlich mit Farbe eingenebelt werden, reicht das etlichen der rund 6000 Starter noch nicht. Sie wälzen sich zusätzlich noch auf dem Boden.

Und danach. Man glaubt es kaum: Zwei Bierpilze, eine Wurstbude, ein Pizzabäcker und ein Crepes-Stand. Halloooo???!!! Zwei Leute braten und verkaufen Würste. Da bedarf es nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie lang die Schlange wird. Das war mir im Vorjahr schon negativ aufgefallen, aber offensichtlich hat Aramark zwischenzeitlich nichts dazugelernt.

Die Veranstalter versprechen die buntesten 5 Kilometer des Lebens. Bunt ist es in der Tat, da gibt es nichts zu meckern. Aber die Strecke ist grade mal 4,3 Kilometer lang. Heutzutage ist einfach auf nichts mehr Verlass. Was soll’s, vermutlich hat es ohnehin niemand bei so einer Party anders erwartet.

IMG_1563_colorrun_hamburg_2014Sport ist es offensichtlich nicht, dafür aber ein nicht grade billiger Riesenschweinkram. Ob dieses bunte Maispulver, wenn man es einatmet wirklich noch gesund ist … will ich das wirklich wissen? Warum sollte man da also dran teilnehmen? Ganz einfach: Weil auch sowas Spaß macht. Ein Kondom-Hersteller verteilt auf dem Gelände Gratisproben. „Treibt es bunt“, steht da drauf. Das sollte man vielleicht öfter beherzigen.

 

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