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Meine Vorbereitung auf den nächsten Marathon

Lübeck Marathon — nicht so süß wie Marzipan

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Guter Dinge vor dem Start auf dem Lübecker Marktplatz.

Guter Dinge vor dem Start auf dem Lübecker Marktplatz.

Der Lübeck Marathon — was für eine hammeranstrengende Strecke! Dann auch noch Gegenwind auf dem Rückweg, und obendrein war es viel zu warm. Unter solchen Bedingungen kann man logischerweise keine Bestzeit laufen — also, beim besten Willen nicht. 

Ich kann euch regelrecht grinsen sehen vor dem Bildschirm. „Jaja, der Olbertz, nie um eine Erklärung verlegen.“ Höchstwahrscheinlich stimmt es: Alles faule Ausreden. Meine Frau meint zwar: „Wenn jemand fit ist, dann ja wohl du.“ Nett gemeint, aber wenn ich ehrlich bin, muss ich einräumen, dass sie vom Laufen herzlich wenig Ahnung hat. Bei nüchterner Betrachtung bleibt vermutlich nur das Geständnis: Ja, ich habe falsch trainiert. Es ist nicht so, dass ich faul rumgesessen hätte. Nein, ich habe schon gut was an Trainingskilometern abgerissen. 50 bis 60 Kilometer die Woche werden es teilweise gewesen sein. Was sich auch durchaus ausgezahlt hat, denn anfangs war ich flott unterwegs und konnte gut mit dem Vier-Stunden-Läufer mithalten  — mal direkt dran, mal ein paar Meter vor mir, aber in Sichtweite. Weil ich trinken und laufen nicht gleichzeitig hinbekomme, bin ich an den Versorgungsständen kurz stehen geblieben. Deshalb ist der Kontakt zum Pacemaker irgendwann abgerissen. Nach 2:06 war ich an der Wendemarke bei Kilometer 22 oder 23 in Travemünde. Eine Zeit mit der ich sehr zufrieden bin.

Kurz nach dem Start: Der Olbertz fummelt an seiner Uhr rum. Foto: Thomas Sobczak.

Kurz nach dem Start: Der Olbertz fummelt an seiner Uhr rum. Foto: Thomas Sobczak.

Aber kaum aus Travemünde wieder raus, wurde es dann immer zäher. Dass es in Lübeck nicht einfach werden würde, war mir vorher schon klar. In Hamburg stehen Millionen Zuschauer am Straßenrand und feuern einen an. Das gibt ganz schon Zusatzschub. Sowas kann Lübeck nicht bieten. Da muss man sich aus eigener Kraft durchkämpfen. Zwischen der Hansestadt und Travemünde ist man quasi alleine unterwegs, mal abgesehen von den Mitläufern und zahlreichen Streckenposten, die alle paar hundert Meter postiert sind. Diese ehrenamtlichen Helfer verdienen ein ganz dickes Lob! Was wurde da gelächelt, geklatscht und angefeuert. Ganz zu schweigen von den Verpflegungsstationen. An den vielen Kindern konnte man gar nicht vorbei ohne ein Schlückchen zu nehmen. Absolut herzig. Aber wenn die Kondition nicht reicht, hilft das auch nur noch wenig. Das treibt immer mal wieder für ein paar Meter an, aber meine Beine wollten einfach nicht mehr. Gehpause, weitertraben — da hilft nur pure Willenskraft, um den Rest zu schaffen. Ich hatte es vorher schon befürchtet, aber spätestens an der Stelle wurde es zur Gewissheit: Ich hatte zu wenig für die Langstrecke trainiert. Ein Mal knappe 30 Kilometer in der Marathonvorbereitung reichen schlicht und ergreifend nicht.

„Nur noch durch den Tunnel, dann hast du es gleich geschafft“, feuert mich eine der Helferinnen an. Hallo, ich habe mitgezählt. Es sind noch neun Kilometer. Aber dann führt die Laufstrecke schon in den Herrentunnel. Schön kühl, dunkel und es geht erst mal abwärts. Laute Musik wummert durch die Betonröhre, unten am tiefsten Punkt steht ein Diskowagen mit Lightshow. Schon cool, wäre da nicht der steile Weg zum Ausgang des Tunnels.  „Komm! Der letzte Anstieg“, ruft mir ein Streckenposten kurze Zeit später zu. Soll ich das wirklich glauben? Naja, hilft ja eh nix, da muss ich jetzt auch noch durch.

Irgendwann habe ich es tatsächlich wieder in die Altstadt geschafft. Ich versuche noch einen Schlussspurt, aber aus den Beinen ist nix mehr rauszuholen. 4:55 Stunden, Platz 238, 39. in meiner Altersklasse. Nicht doll, viele waren da nicht mehr hinter mir, ich weiß, aber mehr war halt nicht drin. Nächstes Mal wird es besser.

Und sonst? Der Polar V800 hatte nun schon zum zweiten Mal vor einem Wettbewerb massivste Probleme, den Satelliten zu Orten. Ich weiß nicht, warum, aber wie schon beim Köhlbrandbrückenlauf, dödelte die Uhr beim GPS-Empfang hoch und runter. Von zehn Prozent bis auf 80 und wieder zurück, immer verbunden mit dem Hinweis im Display, sich doch bitte nicht zu bewegen. Nun bin ich mal rechtzeitig in der Startaufstellung, da bleibt es nicht aus, dass man mal einen Meter vor oder zurück geht. Und die barometrische Höhenmessung ist auch total abgekackt. Im Display stand plötzlich was von „unkalibrierte Höhe“. Ja und? Es ist doch völlig egal ob von null, fünf oder 50 Metern aus gemessen wird. Entscheidend ist doch wie weit es hoch oder runter geht? Was ich aber wirklich doof fand, ist die Tatsache, dass der Erdinger-Stand im Zielbereich plötzlich einfach abgebaut wurde. Mein Durst war noch nicht gelöscht, die Elektrolyte noch lange nicht wieder aufgefüllt, da haben die schon Schluss gemacht. Geht ja wohl gar nicht. Super war dagegen die Massage der Azubis von der Grone-Schule. Ich hätte da noch Stunden liegen können.

Geschafft! Da hätte ich auch was freundlicher Gucken können.

Lübeck Marathon geschafft! Da hätte ich auch was freundlicher gucken können.

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