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Meine Vorbereitung auf den nächsten Marathon

Zoo Kompressionsstrümpfe — die quietschgelben. Foto: Olbertz
Zoo Kompressionsstrümpfe — die quietschgelben. Foto: Olbertz

Jetzt wird Druck gemacht

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Heiliges Kanonenrohr — keine hundert Tage mehr bis zum Hamburg Marathon. Hölle! Ich bin den Weihnachtsspeck noch nicht wieder los und da kommen die Organisatoren scheinheilig mit der Frage: „Wie fit seid ihr schon für die 42 Km?“ Boah, gar nicht! Könnt ihr den Lauf nicht um ein paar Wochen verschieben? Nein? Sche… dann hilft wohl nur eins: Ich werde beim Training etwas Druck machen müssen! Meine Kleidung umfasst neuerdings nämlich auch ein paar Kompressions-Teile. Hightech vom Webstuhl. Das ist die nächste Stufe. Funktionskleidung 2.0 gewissermaßen.
Dabei muss man ehrlich sagen: Neu ist die Idee ja nicht. Schon meine Oma hatte Stützstrümpfe. wenn auch nicht fürs Laufen. Ein Paar meiner Super-Kompressions-Laufsocken kommen allerdings nicht aus dem Sanitätshaus, sondern vom Kaffeeröster. Warum viel Geld ausgeben, wenn es auch billig geht? Um es kurz zu machen: Nein, billig geht leider nicht. Fehlkauf! Mein Rat: Wenn die mal wieder im Angebot auftauchen, lasst die Finger davon.

Man kann ja sicherlich darüber diskutieren, ob es notwendig ist, Strümpfe speziell für den rechten und linken Fuß haben zu müssen. Geschenkt. Die von Tchibo sind für beide Füßme gleich. Das ist noch nichts, was ich den Teilen negativ anlasten würde. Es gibt nichts zu meckern. Sie passen, scheuern nicht, keine störenden Nähte, keine Blasen. So weit so gut.

Es gibt Läufer die beim Thema Kompression verständnislos den Kopf schütteln. Die das als Humbug abtun oder glauben, das sei nur was, für Top-Athleten, die Spitzenleistungen erbringen müssen. Ja, darüber kann man sicher trefflich streiten. Nur über eines lässt sich nicht streiten: Wenn Kompressionsstrümpfe Druck auf die Wade entfalten sollen, müssen sie sitzen. Sonst wird das nix. Sonst kann da kein Druck aufgebaut werden. Logisch, oder? Und genau das tun meine Kompressionsstrümpfe nicht. Anfangs sitzen sie ja noch. Ich spüren leichten Druck an der Wade. Tja und dann, nach ein paar hundert Metern fangen die doch tatsächlich an zu rutschen. Da ist nix mehr mit stützen und Druck aufbauen. Langsam aber sicher seilen sie sich Richtung Knöchel ab. Die Strümpfe lassen sich im Winter durch das Tragen einer langen Lauftight in Position halten. Aber das ist nun wirklich nicht Sinn der Sache.

Zoot_recovery_crx2_sock. Foto: Zoot

Zoot_recovery_crx2_sock. Foto: Zoot

Ganz anders meine „Men’s Recovery 2.0 Crx Socks“ von Zoot. Da spürt man die Kompression schon beim Anziehen — Betonung auf ziehen, denn wegen des Drucks flutschen die nicht mal so eben vom Fuß über den Knöchel ans Bein. Beim Kauf ist nicht die Schuhgröße das Maß der Dinge, sondern der Wadenumfang. Die Strümpfe üben einen abgestuften Druck aus, der vom Knöchel aus nach oben hin abnimmt. Das soll den Rückfluss des Blutes zum Herzen unterstützen. Ein muskelspezifischer Druck an der Wade verbessert den Sauerstofftransport zum Muskel. Was sich positiv auf Leistungsfähigkeit und Regeneration auswirkt. Eine Biowrap genannte Technologie stützt Muskeln und mindert Verletzungen durch Vibrationen. Was mir eigentlich früher hätte klar sein müssen, was ich aber jetzt erst begriffen habe: „Recovery“ im Produktnamen bedeutet, dass man die nach dem Training trägt! Ich wundere mich und schätze, dass es außerhalb des olympischen Langstreckenteams dafür kaum Käufer gibt, schließlich kosten die Strümpfe knapp 65 Euro. Konkrete Zahlen habe ich nicht, Zoot argumentiert, man sei halt ein Komplettausstatter, da gehöre sowas dazu. Aus der „Recovery“-Serie gibt es auch eine Tight (160 Euro) und ein Top mit langem Arm für 125 Euro.

Zoot Kompressionsstrümpfe zum Laufen: Men's Ultra 2.0 crx 2

Zoot Kompressionsstrümpfe zum Laufen: Men’s Ultra 2.0 crx 2

Fürs Laufen direkt hat Zoot die „Ultra 2.0 CRx“ Strümpfe im Programm. Davon habe ich mir ein quietschgelbes Paar gekauft. Die Beschreibung ist der der Recovery recht ähnlich, identische Druckangabe, sie sehen sich ziemlich ähnlich und am Bein spüre ich keinen Unterschied. Ich will nicht ausschließen, dass das an meiner mangelhaften Feinfühligkeit liegt, vielleicht steckt da aber auch nur gutes Marketing hinter.

Ich habe mir sagen lassen, dass sich die positiven Effekte erst auf Strecken, die länger als 15 Kilometer sind, bemerkbar machen. Mir hat grade etwas die Zeit für lange Läufe gefehlt, von daher kann ich leider in dieser Hinsicht noch keine qualifizierte Aussage treffen. Dafür habe ich von Studien gelesen, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass Kompressionsstrümpfe eine messbar positive Wirkung haben. Beziehungsweise, wenn doch, sei der Unterschied so klein, dass er statistisch nicht relevant sei.

Wissenschaftliche Untersuchungen gestalten sich schon deshalb schwierig, weil es keine Möglichkeit der Blindkontrolle gibt. Man kann Probanden Placebotabletten geben, ihnen einreden, sie würden ein T-Shirt aus moderner Superfaser tragen etc. Aber ob er Kompressionsstrümpfe trägt oder nicht, das spürt er halt. Und der Forscher sieht es, kann die Daten deshalb nicht mehr unvoreingenommen auswerten. Aller Wissenschaft zum Trotz: Ich habe beim Tragen der Strümpfe ein gutes Gefühl. Ganz subjektiv habe ich den Eindruck, dass es meiner Muskulatur gut tut, ich weniger Muskelkater habe und deshalb besser regeneriere. Das mag alles eingebildet sein. Den Marathon muss man trotzdem noch alleine laufen. Ohne gutes Training bringen einen die Strümpfe jedenfalls nicht weiter. Also nicht locker lassen, sondern Druck machen!

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