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Meine Vorbereitung auf den nächsten Marathon

Berlin Marathon laufen … ohne Training

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Auf dem Marathongelände vor dem Reichstag.

Auf dem Marathongelände vor dem Reichstag.

Berlin, die schnellste Marathon-Strecke der Welt — und ich laufe meine schlechteste Zeit. Tja, so ist es halt, wenn man nicht genug trainiert hat. Dann ist man eben fünf Stunden unterwegs. „Egal“, wollen mir Freunde und Kollegen weis machen: „Immerhin hast du durchgehalten und es geschafft.“ Schon klar … Dabei hatte ich mir nach Hamburg im Frühjahr eigentlich vorgenommen, in Zukunft gut trainiert an die Startlinie zu gehen. Was mich wenigstens etwas aufrecht hält: Ich bin als 23961. über die Ziellinie gekommen. Da müssen also noch Tausende hinter mir gewesen sein.

Nüchtern betrachtet, hätte ich gar nicht starten sollen. Wegen Problemen mit der Achilles-Sehne habe ich eine Weile gar nicht trainiert und dann sind wir auch noch mitten in der Vorbereitung umgezogen. Wenn ich meiner Frau gesagt hätte: „Pinsel du mal alleine, ich muss ein paar Stunden für einen langen Lauf verschwinden“, hätte ich eher früher als später die Rote Karte gezeigt bekommen. Aber da man in Berlin die Startnummer ja nicht ummelden kann, mussten zwei mal 20 Kilometer und zwei mal 25 reichen. Ansonsten wäre das Startgeld einfach futsch gewesen. Nö, das wollte ich dann doch nicht. Und überhaupt: Berlin ist einfach Kult. Wenn du dafür schon mal eine Startnummer hast, wärst du doch blöde, sie nicht zu nutzen.

Die Organisatoren betreiben einen extrem hohen Aufwand, um „Missbrauch“ mit der Startnummer zu verhindern. Mehrfache Ausweiskontrolle, Bändchen am Handgelenk — ob das wirklich der Sicherheit dient? Ich habe da so meine Zweifel. Wer es wirklich darauf anlegt, wird trotzdem auf das Gelände kommen. Möglicherweise lässt sich damit ein reger Schwarzmarkt-Handel zu überteuerten Preisen verhindern.

Ich habe mich an die Hoffnung geklammert, dass mein Fitnesszustand und meine Ausdauer vielleicht doch nicht so schlecht sind, dass mich das Publikum schon über die 42 Kilometer tragen wird. Es ist ein Irrglaube. Jeder nicht gelaufene Kilometer rächt sich. Keine Chance. An der Startlinie stand ein Pacemaker für 4:15 neben mir. Da hefte ich mich doch gleich mal hinten ran. Viel zu schnell ging mein Puls viel zu hoch. Klar ging mir da noch auf dem ersten Viertel die Puste aus. Den Pacemaker musste ich ziehen lassen. Keine Chance.

Irgendwann kann dann der 4:30-Läufer vorbei. So schlimm sah es in dem Moment also noch gar nicht aus. Aber auch mit dem konnte ich nicht mithalten.  Da wird der schlechte Trainingszustand dann doch sehr deutlich.

Meine Garmin Fenix 3 HR schätze ich ja sehr. Aber bei diesem Lauf schien es ihr ähnlich wie mir zu gehen. Auf den ersten Kilometern kam das Kilometersignal immer noch in Sichtweite der jeweiligen Markierung. Nur ein paar Meter Abweichung. Dann kippte die Messgenauigkeit. Eine ganze Weile lag die Differenz konstant bei einem Plus von etwa 350 Metern. Am Ende hatte ich 800 Meter zu viel auf der Uhr. Eine ganz schön üppige Messungenauigkeit. Für alle Skeptiker: Ja, ich habe versucht, möglichst auf der Ideallinie zu bleiben.

Falls das hier zufällig jemand von CEP liest: Kompressionsstrümpfe könnt ihr richtig gut, aber Lauf-Shirts eher nicht so. Die Innenkante der Ärmel hat mir die Oberarme mächtig wund gescheuert. Jetzt weiß ich das also auch. Vielleicht kann ich sie ja noch als T-Shirts tragen.

Bei allen Strapazen, bei aller Quälerei auf der Strecke — es ist ein total geiler Moment, auf die Straße „Unter den Linden“ einzubiegen, und dann kurz darauf unter dem Jubel des Publikums durchs Brandenburger Tor zu laufen. Ich glaube, da kann keine andere Stadt mithalten. Das will ich auf jeden Fall noch mal erleben. Und dann besser trainiert.

 

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